• Katharina & Julius

Sommer in Kambodscha!

Hallo an alle!

Normalerweise wären wir diesen Sommer mal nach Deutschland gekommen, aber aufgrund der Reise Umstände haben wir uns dazu entschieden, in Kambodscha zu bleiben. Das ist natürlich schade, weil wir unsere Familien und Freunde in Deutschland nicht besuchen können, aber so können wir die Sommerferien der Kinder auch mal nutzen, um Kambodscha noch mehr kennen zu lernen.

Auf die Ferien haben wir uns jetzt schon alle gefreut, da die lange Zeit des Homeschoolings für alle auch ein bisschen anstrengend war. Die eigenen Kinder zu unterrichten ist nicht immer die beste Form von Bildung :-) Jakob hat es aber sehr gut gemacht, auch wenn es nicht optimal ist, dass wir ihn komplett mit englischen Schulmaterialien unterrichten mussten.

Wir haben deutlich gemerkt, dass sein englischer Wortschatz schnell abgenommen hat, da die natürliche Konversation in der Schule völlig fehlte. Jetzt stehen wir ein wenig vor der großen Frage, ob er dadurch sprachlich zu weit zurückfällt und das erste Schuljahr wiederholen sollte, oder ob wir es einfach versuchen sollten, um ihn nicht aus seiner Klasse nehmen zu müssen. Gerade für ihn sind Beziehungen mit anderen Kindern mega wichtig.

Leider musste er vor kurzem von einem sehr guten Freund hier Abschied nehmen, der mit seiner Familie nach mehr als einem Jahrzehnt nun wieder zurück in sein Heimatland gezogen ist. Das tat uns sehr Leid für ihn, da er hier nun wieder erlebt, wie er gute Freunde gehen lassen muss. Dadurch merken wir immer wieder, wie wichtig es ist, dass wir uns hier genügend Zeit für unsere Kinder nehmen.

Im Großen und Ganzen klappt es aber ganz gut und die Sommerferien sind uns dabei ganz dienlich.

Charlotte hat jetzt Schwimmen und Fahrradfahren gelernt. Wenn sie mit uns die Straße lang fährt und Kambodschaner sie sehen, sind sie immer mega erstaunt, wie so ein kleines Mädchen schon Fahrradfahren kann. Auch Jakob fährt schon allein zum lokalen Markt und kauft da einzelne Sachen für uns ein. Es ist ein richtiges Gesprächsthema unter den Kambodschanern in unserer Nachbarschaft geworden, dass unsere Kids so ,,stark und mutig’’ sind. Wir sind mega stolz auf die beiden.


Neben unserer Arbeit im ICF sind die Beziehungen von uns zu einzelnen kambodschanischen Freunden immer weiter gewachsen und immer wertvoller geworden. Wer schon mal längere Zeit im Ausland war, der weiß evtl. wie anders freundschaftliche Beziehungen mit Leuten aus einer komplett anderen Kultur sein können. Es braucht viel mehr Zeit, Investition und Sensibilität bis sich eine tiefere Freundschaft aufbaut. Aber all das investieren wir sehr gern :-)



Z.B. treffen wir uns immer wieder regelmäßig mit einer jungen Familie, die gerade ihr zweites Kind bekommen hat. Ihre Geschichte war nicht immer einfach. Der Papa ist beispielsweise in einer sehr armen Familie aufgewachsen, wo es nicht selten an grundlegenden Nahrungsmitteln mangelte. Er erzählte uns, dass es Tage gab, an denen sie so hungrig waren, dass sie den wenigen Reis mit Erde vermischten, damit sich ein Sättigungsgefühl einstellen könne.


Vor kurzem haben wir auch eine Smallgroup mit einer anderen Familie gestartet, wo die Frau frisch im ICF Wake Park angefangen hat zu arbeiten. Sie haben 3 Kinder in ähnlichem Alter von unseren. Von Anfang an war es eine sehr angenehme und herzliche Atmosphäre mit ihnen und die Gespräche sind jedes Mal so wertvoll! Sie wollen mehr von Jesus und den Geschichten in der Bibel kennen lernen und sind begeistert, wenn wir für sie beten können. Unseren Alltag mit ihnen zu teilen und voneinander zu lernen ist sehr wertvoll.

Immer wieder erleben wir, wie unwissend und/oder unsicher viele Kambodschaner in manchen Angelegenheiten sind. Die Familie mit dem frisch geborenen Baby beispielsweise hat sich schon über die grundlegendsten Tipps für das Baby von Katharina gefreut, wo wir eigentlich denken würden, dass das doch selbstverständliches Wissen ist und es auch nicht ihr erstes Kind war.

Ein Freund von Julius hat für ein normales emotionales Ereignis jahrelang ein sehr starkes Psychopharmaka genommen, von dem er nun abhängig geworden ist und die Umgewöhnung nun sehr schwierig ist.

Es wird hier viel Halbwissen und Falschwissen verbreitet, was teilweise echt gefährlich sein kann.

Das alles hängt natürlich mit mangelnder Bildung zusammen. Umso mehr freuen wir uns, dass das ICF genau da ansetzt und dass auch wir in unserem Privatleben und in unserer Arbeit im ICF unsere Erfahrungen und unser Wissen mit den Kambodschanern/innen um uns herum teilen können.

Noch vor den Roten Khmer war Kambodscha ein aufstrebendes Land. Leider wurden sie aber durch das Pol Pot Regime und alle daran Beteiligten so sehr zurückgeworfen, dass nun einiges verloren gegangen ist. Die neuen Generationen hier haben also extrem großes Potential alles mögliche auf zu saugen. Das hat Vor- und Nachteile.


Jetzt geht die Schule der Kinder also bald wieder los, leider nach wie vor mit Homeschooling, da die Schulen noch nicht aufmachen dürfen. Seit März sind die Schulen nun schon geschlossen. An nur wenigen Orten wurden sogenannte Study Groups eingeführt, wo Kinder trotzdem mit Hilfe lernen konnten. Die Regierung hier hat anfangs noch Material zur Verfügung gestellt, allerdings wenig geordnet und kaum auf die Kenntnisstände der Kinder angepasst. Die Lehrer vor Ort mussten oftmals stark improvisieren. Nicht wenige haben zusätzliche Materialien von ihrem eigenen Geld bezahlt, da die Regierung keine zusätzlichen Mittel bereitgestellt hat. Durch die einzelnen und kleineren Study Groups brauchte es aber viel mehr Material. So sind dann doch einige Anstrengungen wieder versiegt.

Auch ein großes Thema ist die Situation der Familien zu Hause. Durch die Corona Maßnahmen fehlt es hier ja unglaublich an Einkommen. Dadurch werden einige Kinder lieber zum Helfen zu Hause oder zum Geldverdienen eingesetzt, als dass die Eltern sie zum Lernen unterstützen würden. Leider auch verständlich.

Wir ,,Westler’’ wissen es einfach nicht, oder haben nicht die Erfahrung, wie es ist, ums Wesentliche kämpfen zu müssen.

Wir als Familie empfinden unser Dasein hier als Herausforderung im Sinne von: wie und wem können wir jetzt helfen und gleichzeitig wächst unsere Dankbarkeit enorm für uns völlig selbstverständliche Dinge.

Vielen Dank auch an alle, die für die EMERGENCY PACKAGES des ICF gespendet haben. Es ist ein unglaublich gutes Programm, durch das vielen Familien in dieser Notsituation geholfen werden kann. Dabei bleibt es allerdings nicht nur bei temporärer Hilfe. Durch Schulungen und Materialbereitstellung wird vielen Familien beigebracht, wie sie beispielsweise Gemüse anbauen können, um sich mehr selbst zu versorgen. Diese Hilfe wird gut angenommen und die Familien pflanzen begeistert an.

Wir freuen uns auf ein nächstes Kapitel, unser zweites Jahr in Kambodscha. Julius wird ja in einem neuen Arbeitsfeld tätig sein. Er beginnt ab August im ,,Gesundheitswesen’’ hier zu arbeiten. Was das genau bedeuten wird, wird sich erst noch zeigen. Bedarf gibt es ja viel, allerdings muss man sich auf machbare, wesentliche und notwendige Dinge konzentrieren. Er freut sich drauf.


Wir grüßen euch ganz herzlich aus Kambodscha. Schreibt uns gern, wenn ihr Fragen oder Interessantes an/für uns habt. Würde uns freuen!

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